Stabilität ist ein evolutionärer Vorteil.

Nicht jede Organisation, die sich nicht ständig wandelt, ist rückständig. Dauerwandel ohne Konsolidierung ist kein Fortschritt. Er ist Erschöpfung mit Ansage.

Ein kleiner Standort, vielleicht drei Prozent der Größe seiner Konzernmutter, bekam deren SAP-Template, samt Customizing und Rollen. Die produktive Landschaft war neu, nur die Sandbox eine Kopie. Es stand eine simple Frage im Raum: Übernehmen wir die bestehenden Rollen, oder bauen wir eigene? Der erste Reflex einer so kleinen Organisation war, eine Übernahme sei viel zu komplex.

Mein Gegenargument war das umgekehrte. Rollen, Custom Tools und Customizing sind aufeinander abgestimmt. Wer jetzt die Rollen neu baut, verzichtet auf etablierte Werkzeuge und Prozesse, die er sonst einfach mitnehmen könnte. In der frühen Phase eines Greenfield-Projekts ist das eine Last, die man besser in kritischere Themen steckt. Der Kunde folgte und setzte erst viel später ein eigenes Berechtigungskonzept um. Genau in der richtigen Reihenfolge: erst bewerten, was der Wandel wirklich bringt, dann abwägen, ob er sich zu diesem Zeitpunkt lohnt.

„Wir machen jetzt gar nichts“

Ein CEO, mit dem mich nach längerer Zeit noch lockerer Kontakt verbindet, wird von seinen Fachbereichen gedrängt, unbedingt auf die neue Systemgeneration zu wechseln, sonst drehe der Hersteller den Hahn zu. Seine Antwort hat mir gefallen: Wir machen jetzt gar nichts. Wir laufen aus der Wartung, gut. Berater sind teuer und knapp, ein Schnellschuss wird nicht besser, wenn man ihn früher startet. Die KI ist im Aufwind. Schauen wir in zwei, drei Jahren auf den Markt, werden solche Umstellungen deutlich leichter sein, weil Kunden und Partner Werkzeuge dafür bauen werden. Das ist keine Bequemlichkeit. Das ist eine Wette auf den besseren Zeitpunkt, und sie ist gut begründet.

Change-Müdigkeit erkennen

Man erkennt sie daran, dass zu vieles gleichzeitig angeschoben wird. Man kann eine Organisation überzeugen und sogar begeistern, neue Wege zu gehen, aber nicht in zwölf Themen auf einmal. Es ist Aufgabe der Führung, hier bewusst zu wählen, und damit auch abzuwählen. Der Gegen-Konsens ist unbequem: Wo Wandel nur sich selbst dient, ist er ein Versuch, Kompetenz zu zeigen, indem man nutzenfern vorn mitschwimmt.

Bevor Sie das nächste Wandel-Programm starten, beantworten Sie die eine Frage, die zählt: Warum, jetzt, dieser Wandel? Fällt die Antwort dünn aus, ist Stillhalten die reifere Entscheidung.

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