Organisatorische Schuld wächst wie technische Schuld.

Wer einen Bereich komplett extern besetzt, kauft Lieferung und verliert Steuerung. Organisatorische Schuld wächst wie technische Schuld: leise, bis die nächste Verhandlung sie fällig stellt.

In den 2000er- und frühen 2010er-Jahren lief eine riesige Verlagerungswelle. Für Führungskräfte ist es bequem, fehlende strategische Breite mit Kostensenkung zu beantworten. Das sind bekannte Rezepte: Sie verlagern das Problem auf teure Mitarbeiter und unwillige Lieferanten. Outsourcing war in Hochlohnländern besonders beliebt, weil es in einen Vertrag zu gießen schien, was intern schwer durchzusetzen ist, nämlich Arbeitsleistung zum Gegenstand permanenter Preisverhandlung zu machen.

Die versteckte Rechnung stand woanders: bei der Steuerungskomplexität. Und die war teurer, als fast alle Beteiligten dachten, die Dienstleister eingeschlossen.

Warum mein Rückbau kurz war

Ich habe einen ausgelagerten Bereich zurückgeholt, und der Wiederaufbau der Steuerungskompetenz ging überraschend schnell. Der Grund: Wir hatten die Kompetenz nie ganz abgegeben. Ein Kernteam, ein Spiegel im Haus, lief immer weiter, aus genau diesem Kalkül. Die meiste Zeit ging für die Entscheidung und die Ressourcenbeschaffung drauf, nicht für das Nachschulen. Aber davor stand die bittere Pille: zuzugeben, dass unsere optimistischen Annahmen über Near- und Offshoring nicht aufgingen und wir uns neu ausrichten mussten.

Wer dagegen vollständig weggibt, hat ein anderes, größeres Problem. Er muss das Problem überhaupt erst einmal sehen und abschätzen, bevor er Gegenmaßnahmen planen kann. Paradoxerweise ist dann der sinnvollste Weg, sich für das Insourcing temporär externes Know-how dazuzuholen. Die Rule of Ten schlägt hier erbarmungslos zu: Was man am Anfang nicht behält, zahlt man später um ein Vielfaches.

Woran man es früh erkennt

Organisatorische Schuld läuft still auf, deshalb muss man sie messen, wo sie wehtut: an der Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern (Churn, Umfragen, Abwanderung von Wissensträgern), am Controlling, an der Prozessqualität, an Verfügbarkeit und Reife der Systeme. Das misst nicht jeder. Aber ohne diese Symptome bemerkt man die Schieflage erst, wenn sie nicht mehr zu korrigieren ist.

Bevor Sie einen Bereich vollständig auslagern: Behalten Sie mindestens den Kern der Steuerung im Haus. Sonst merken Sie den Schaden erst, wenn Sie ihn nicht mehr selbst beurteilen können.

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