Ein Programm scheitert selten an den Prozessen. Es scheitert an den Daten darunter — und die stehen auf keiner Vorstandsfolie.
Ich habe drei sehr unterschiedliche Fälle erlebt, mit derselben Lektion. Im ersten kämpfte ein Haus schon vor meiner Ankunft mit seinen Stammdaten; das Konzept zur Konsolidierung war so komplex, dass es mich umwarf — auch, weil man es in einem großen Wurf lösen wollte statt Schritt für Schritt. Es kam nie zur Umsetzung, der Blueprint traf am Ende das Ziel nicht. Im zweiten, einem Neuaufbau nach einer Abspaltung, wurden die Stammdaten wirklich bereinigt und nur die validen extrahiert — von Anfang an eingeplant, analysiert, bewertet, in die Projektpipeline integriert. Im dritten, wieder eine Abspaltung, lagen die Daten sauber gekapselt in einem eigenen Mandanten: Systemkopie, überflüssige Mandanten löschen, Export für den Umzug. Fertig.
Die Steuer, die keiner einplant
Der Unterschied zwischen diesen Fällen war nicht die Technik, sondern die Vorbereitung. Unvorbereitet hätte jedes der drei Szenarien tief zugeschlagen. Gut geplant war die Bereinigung nur ein weiterer Posten — im Beratungsaufwand für die Extraktion, oder in der Downtime fürs Löschen. Manchmal erzwingt die Umstellung die Bereinigung sogar; der Umbau auf den zentralen Geschäftspartner in S/4 ist so ein Fall. Gerade dann gehört sie nach vorn.
Stammdaten sind mindestens so wichtig wie Prozesse, und wegen ihrer schieren Masse oft deutlich aufwändiger. Weil ein Programm ohnehin die Leute mobilisiert, testet und abnimmt, ist der Umstieg die Gelegenheit, sie geradezuziehen: für weniger Fehler, mehr Transparenz und die volle Wirkung des integrierten Systems.
Woran Sie vor dem Start erkennen, ob Sie ein Datenproblem haben: Gibt es einen eigenen Workstream und einen klaren Plan für die Daten? Sind mehrere Testläufe vorgesehen? Denn zwischen erstem Plan, Sandbox, Testläufen und Produktivumstellung vergehen schnell mehr als sechs Monate — und in dieser Zeit wachsen die Daten weiter. „Das räumen wir während der Migration auf“ scheitert genau daran: Man räumt einen Stand auf, den es zum Stichtag längst nicht mehr gibt.