Und wieder wird seit einigen Jahren das nächste rosa Säugetier durch die Gemeinde geleitet. An der Präsenz in On- und Offline-Medien erkennen wir, dass Interesse für das Thema geweckt werden soll. Wie hält es denn das arbeitnehmerlastige Rückgrat der deutschen Wirtschaft – der Mittelstand?

Die Interessen der Parteien in diesem Spiel sind wie auch sonst immer grundverschieden. Während die Medienlandschaft alle 3-5 Jahre einen neuen Vierbeiner braucht, den sie vor ihren Karren spannen können (man denke an ganz früher mit Analytics, etwas später mit SOA und Green IT und zuletzt Big Data), hat der typische Unternehmer einen grundsätzlich anderen Anspruch.

Der deutsche Michel

 

Der deutsche Mittelständler bewegt sich im Spannungsfeld seiner Märkte, und versucht den Bereich dazwischen mit möglichst hohem Mehrwert und möglichst geringem Aufwand zu beackern. Das kann natürlich heißen, dass man eine SOA-Plattform einsetzt, oder Big Data zur Analyse von Kunden- oder Produktionsdaten einsetzt, aber es kann für den von Margen nicht verwöhnten Mittelstand nicht darum gehen, ohne produktiven Mehrwert technologisch einfach vorn mit dabei zu sein.

Es ist auch nicht leicht, ein möglicherweise sogar erfolgreiches Geschäft weiter zu betreiben. Die Gründergeneration wünscht sich langsam mal ein wenig Ruhe, und doch ist dort oft niemand der das Ruder übernimmt. Das hat im Hinblick auf digitale Technologien gleich zwei Folgen: es fehlt generationsbedingt das Know-How, und eine nachhaltige Steuerung des Themas auf langfristiger Basis fällt schwer, wenn man selbst nur noch zwei Jahre da sein will.

Eindeutig ein Problem: Die Unternehmer-Demografie – gefunden auf generation-silberhaar.de

Und so schaut so mancher mit halbem Interesse und halber Befremdlichkeit auch auf das Thema digitale Transformation, also auf den Wandel hin zu einem digitalen Unternehmen. Gemeint ist damit schlicht und einfach der Weggang von Zetteln und Tafeln, hin zu – idealerweise prozessual integrierten (Industrie 4.0 – ick hör dir trapsen) – digitalen Systemen.

Klingt super, doch entscheidend ist, was hinten heraus kommt.

Was springt dabei heraus?

 

Ziel dieser digitalen Transformation ist es, Wertschöpfungsketten in der Produktion transparenter zu gestalten, Kosten zu senken, Fehlerquellen schnell aufzudecken, den Kundenservice jederzeit an jedem Ort der Welt zu gewährleisten und Echtzeit-Fähigkeiten zu nutzen um sich schneller und zielsicherer am Markt ausrichten zu können. Das klingt alles erst mal ganz fantastisch, allerdings wird es an der Stelle schwierig wo konkret geplant werden soll.

Der Nutzen für das Unternehmen hängt grundlegend von der individuellen Unternehmenssituation ab. Die folgenden Fragen  können helfen, wesentliche Kosten- und Nutzenpotentiale zu ermitteln. Entscheidend ist, wo mir als Unternehmer heute „der Kittel brennt“.

Wertschöpfung

  • Wie viel kann es mir bringen, Planung, Beschaffung, Konstruktion, Produktion und Vertrieb zu vernetzen?
  • Wie steht es mit den unterstützenden Prozessen aus, wie Finanzwesen, Controlling, IT – ist hier durch Integration viel zu holen?

Organisation

  • Wie gut kennt mein Management sich mit modernen Anforderungen an Unternehmen und entsprechenden Technologien aus?
  • Welche Daten liegen mir zum Unternehmen und zum Umfeld vor, und wie gut nutze ich diese?
  • Wie sieht es mit den aktuell eingesetzten Anwendungen aus, wie ist hier der Stand?
Abbildung der HST-Systemtechnik, gefunden auf hst.de

Horizontale Integration

  • Wie viel bringt meinen Partnern eine Digitalisierung meiner Prozesse? (Einkaufspartnerschaften, Entwicklungspartnerschaften)

Vertikale Integration

  • Hilft es mir, mit Zulieferern digital zusammenzuarbeiten? (Einkauf, Produkte, Verträge, Spezifikationen, Geschwindigkeit)
  • Hilft es mir, meinem Vertrieb und den  Kunden digitalen Zugang zu meinen Prozessen zu geben? (Service, Reparatur, Kontoverwaltung, Absatz, Kataloge)
  • Sind für mich Absatzmärkte relevant, für deren Bearbeitung ich eine möglichst bruchfreie digitale Prozesslandschaft benötige?
  • Gibt es sogar digitale Geschäftsmodelle, die in meinem Produktportfolio Sinn machen?

Verschafft der Unternehmer sich zunächst mal einen Überblick über den Status Quo, kann er darauf basierend (und anhand der unzähligen Fallbeispiele da draußen) überlegen, inwiefern sich Digitalisierung für ihn lohnen kann. Identifiziert er ein oder mehrere Themen als spannend, kann daraus seine individuelle Digitalisierungsstrategie erwachsen.

Butter und Brot

 

Mit ein paar findigen Mitarbeitern aus verschiedenen Ebenen wird eine Idee entwickelt, wie die Digitalisierung grundsätzlich angegangen werden kann. Welche Prozesse sind besonders optimierungswürdig? Wo fließt heute Arbeit, Zeit und Geld ins Leere? Wo steckt das größte Potential für IT-gestützte Prozesse und integratives Arbeiten? Diese Idee wird dann mit dem Management abgestimmt, so dass Ihre Führungsebene von Anfang an im Boot ist (auch ein gut aufgesetztes zielorientiertes Bonussystem wirkt hier Wunder).

Portfolio management office
Lee Merkhofer Consulting, gefunden auf prioritysystem.com

Anschließend wird ein Lenkungsausschuss aufgesetzt, mit dem Ziel ein Projektportfolio zur Umsetzung der erarbeiteten Maßgaben aufzusetzen. Der Rest ist dann nur noch klassisches Programmgeschäft:

  1. Die Einzelprojekte werden ausdefiniert, mit Zielen und Ressourcen versehen und priorisiert (nicht zu lang, eher agil)
  2. Je nach Unternehmensgröße nimmt man sich gleichzeitig mehr oder weniger dieses Vorrats und es um
  3. Erfahrungsaustausch innerhalb des Programms (zwischen den Projekten) ist entscheidend für eine konsistente Strategieverfolgung.
  4. Regelmäßiges Monitoring der Projekte ist die Grundlage für rechtzeitiges Erkennen und Lösen von Problemen

Je nach Zustand Ihrer IT-Infrastruktur sollten Sie sich in regelmäßigen Abständen möglichst automatisiert über den Fortschritt Ihres Programms informieren lassen. Optimal ist hier ein integriertes Projektmanagement-System mit (projektübergreifenden) Programm-Funktionen, welches  Planung, Arbeitspakete, Ressourcen, Liefergegenstände, usw. abdeckt. Ab und an in Programm und Projekten persönlich Flagge zeigen erhält die Motivation auch in schwierigen Phasen.

Sie werden es bemerkt haben, dieser Beitrag empfiehlt ein eher pragmatisches „Einfach mal angehen“ im Bereich der Digitalisierung. Es gibt tatsächlich auch keinen generellen Königsweg. Oft ist es einfach wichtig, sich zu dem Thema Gedanken zu machen, sich intern und am Markt zu besprechen und anschließend die identifizierten Potentiale umzusetzen.

Dabei schon jetzt viel Erfolg,

Unterschrift_blau

Digitalisierung? So mittel.
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